Leseprobe

Sekretärinnen


Bürocharakter, Schreibtisch, Bürostühle, Schreibutensilien, Bildschirm, Terminplaner)

 

FRL. REULE: (Das Telefon klingelt) Mathilde Reule, Vorzimmer von Herrn Dr. Meixner! Guata  Morga,  Herr Walcher ! Dr Herr Dr. Meixner hat sich scho erkundigt, ob alles guat  glaufa isch bei der Sitzung gestern.  (Pause) Aha, des isch ja interessant. (Pause) Die Sparkass will den Kredit net gewähra ? (entsetzt) Und Krüger & Co. hat  den  Großauftrag storniert ?  (Pause,  lacht  künstlich) Aber sonst war no nix los heut ? Herr Walcher sia  schwätzet vielleicht  fahrlässig  raus ! Wisset  sia scho, wia dr Chef heut  drauf isch ? (entsetzt) Herr Walcher, des daffet  se net  saga:  Des goht  ihne am Arsch vorbei ?

BIENE: (kommt herein) welcher Arsch goht vorbei ?

FRL.  REULE:  (winkt  ab) Ja guat,  Herr Walcher,  falls heut doch no oi positive Nachricht zu erwarta  wär, sia meldet  sich ! (legt auf) Frl. Wackernagel, dia woch fängt scho wieder guat a !

BIENE: Dr 13. isch heut aber net, oder? Grad han i em Chef dia Unterschriftsmapp neidoa !

CHEF: (brüllt von draußen) Frl. Wackernagel, holet se ihre Mapp  wieder  ab,  aber  dalli.  (Biene  geht,  Chef  brüllt weiter) Und ihre Briaf werret doch wirklich von Tag zu tag besser. (zynisch) Der Tag isch nemme  weit, an dem ma endlich au mol oin unabgändert abschicka ka !

BIENE: (Biene kommt wieder)

FRL. REULE: (schreibt am Computer) Frl. Wackernagel, merket  Se sich ois: wer viel arbeitet, macht  viel Fehler, und  wer  koine Fehler macht,  wird prämiiert und befördert.

BIENE: Aber des wichtigste isch, dass ma in dr Arbet aufgoht  und net unter.  I han scho gseah,  Sia kennet  sich aus. wie lang send Sia eigentlich scho in dem Betrieb Frl. Reule ?

FRL. REULE: Viel zu lang, i ghör  fascht  zum Inventar. Des isch bereits scho dr dritte Chef.

BIENE:  i  han  au  scho  zwoi  henter  mir.  Oiner  davon  war so en  typ „Blender.“ Der hat  richtig guat  ausgseah, war gebildet und  witzig. bei jeder Gelegaheit hat  er erwähnt, dass  er Gott  und  die Welt kennt.  Konkret schaffa  war  aber  net  so sei Sach, der  hat  viel lieber hoißa Luft produziert.

CHEF: (schreit von draußen) Frl. Reule, wo bleibt denn  dia Milch für da Kaffee ? wenn i mi scho an meim Schreibtisch schwarzärgra muss, kanns net sei, dass au no mei Kaffe schwarz bleiba soll !
FRL. REULE: A Laune hat der heut wieder ! (geht mit Milch)

BIENE: Schwarzer Kaffe dät dem heit sowieso besser standa. Schwarz  isch doch dia Farb für besonders traurige Fälle. (Reule kommt) wie spät isch es denn , Frl Reule?

FRL. REULE: (schaut auf ihre Uhr) Achte !

BIENE: Auf meiner Uhr isch’s viertel vor acht. I dät saga: Mir richtet uns also heut  beim Beginn unsrer Kaffeepause nach ihrer Uhr und beendet se nach dr meiniga.

FRL.  REULE:  Meim  G’fühl  noch  gibts  heut  überhaupt koi Kaffeepause ! Baldriantropfa wäret angebrachter.

BIENE: Wieso will dr Chef heut ausnahmsweis a Milch ?
FRL. REULE: Wahrscheinlich  kann der sich heut wieder net entscheida, was er will.

BIENE: (erschrickt) Jessas Frl. Reule, jetzt fällt mir grad  no ei, dr Wöhrle hat angrufa,  er sei erkältet, und dr Herr Fränkel muss heut  no zu ra Beerdigung vom Großonkel, d’Frau vom Dr. Meixner hat angrufa,  mir sollet des Gschäftsessa  für morga  in dr Burgthalschenke reserviera !

FRL. REULE: I dät  saga,  bei dem  seim heutiga Bluatdruck solltet dia liaber im Diätrestaurant in dr Magerstroß speisa. wollt sei Frau net no heut vorbeikomma ?
BIENE: Do woiß i nix drvo. Dia muss doch grad froh sei, dass der heut  bei  uns im  Gschäft  isch.  So en Ma drhoim, des isch ja des reinschte Martyrium !

FRL. REULE: Frl. Wackernagel, merket  Se sich oins: brüllt a Ma, dann  ischr dynamisch, brüllt a Frau, dann  isch se hysterisch.

BIENE: (Telefon klingelt) Sabine Wackernagel, Vorzimmer von Herrn Dr. Meixner:  wen bitte  darf  ich  melden ? (Hält das Telefon zu) Do isch oiner dran, der frogt, ob er seinen olla Kumpel aus der Studienzeit, den  Saufkopf und  Playboy, Bruno  Meixner,  sprechen  könnt ! (spricht wieder ins Telefon) Entschuldigung, sagen  Sie mir bitte nochmals ihren Namen, dann  sage ich ihnen auch,  ob  unser  Chef im Hause  ist. (Pause)   Der hat doch tatsächlich aufglegt !

FRL. REULE: Sia waret  oifach net  freundlich gnuag. I  sag ihne oins, Frl. Wackernagel: Grüße jeden Dummen,  er könnte  morgen  dein Chef sein !

BIENE: Dann hättet mir im Betrieb viele Anwärter  auf den Chefsessel.

FRL. REULE: Solche Ausbrüch wia bei unserem  Chef dürfet Se net persönlich nemma,  Frl. Wackernagel.  I geb ihne en guata  Tip: wenn so oiner losschreit hoißts: – bloß net da blick senka ! Sia müsset aufrecht  standa  bleiba, ihm en d‘ Auga gugga  und warta  bis des Gwitter vorbei isch. Der wird scho wieder normal.

BIENE: I  han  mi scho  immer gwundret, dass  Sia sich von dem bullabeißiga Schreihals nix gfalla lasset. Hant Sia koi Angscht, dass der Sia amol nausschmeißt, wenn Se ihm wieder in d’ Auga gugget ?

FRL.  REULE:  Frl. Wackernagel,  mei  Ablage  han  i  in  dene 20 Johr so hendrafier  aufbaut, dass außer mir sowieso koiner was fend ! Also han i en Beamtastatus und bin quasi unkündbar.

CHEF: (von draußen) Frl. Reule, isch sonscht  alles in Ordnung ?  Bitte  bringet  Sia  mir  au  no  d’Poscht,  aber wenns goht,  a bissle dalli.

FRL. REULE: Der wird gugga. A Info über die  Konkurrenz: Lauter interessante, patentierbare Vorschläg von dem Nichtskönner und Siebenschläfer Högerle, den dr Chef in seiner Rabiatheit vor zwoi Wocha entlassa hat ! Und wenn i dem jetzt au no dia ganze Neuigkeita von dem Herrn Walcher vrzehl, dann  ka ma den heut  gar nemme han. (geht)

FR.  MEIXNER:  Guta  Morga  Frl.  Wackernagel.  isch  mein Mann grad frei ?


Es folgen noch 21  Einsätze bis zum Ende.