Leseprobe

Dia Glotzkischt



(Hildegard telefoniert, während  der Vorhang aufgeht)

HILDEGARD: Ach ja, Elfriede, des isch ja prima ! was ? ihr send später no im Hinträger? Des wär scho a Abwechslung ! Eigentlich  müsst  i  jo  no  unsere  Betta  bezieha. Mei Bettwäsch isch grad im Trockner. I frog  mol mein Ernscht ! Es könnt jo sei, dass er mitgoht. Ade Elfriede, vielleicht sehet mir uns ja no.
(Ernst kommt mit zwei Flaschen Bier)

HILDEGARD: Du Ernst,  wie wärs,  wenn  mir mol wieder ausganga dädet,  um uns a bissle zu amüsiera ?

ERNST: Des wär ja wirklich a prima Idee! Und woisch was ? Wer zerscht  hoimkommt, legt den  Schlüssel unter  da Schuahabstroifer.

HILDEGARD: So war  des  aber  net  gmoint. I  han  gmoint, mir ganget zamma wo na. Im Hinträger könntet mir jo d’ Elfriede und den Klaus treffa.

ERNST: (nimmt den  Fernsehdrücker) Es gibt koin Ort außerhalb des  Hauses,  wo  mir heut  obend  zamma  na könntet. My Home ischt my Caschtel.

HILDEGARD: Mei Haus ist mei Burg,  des trifft aber au net immer zua.  Alloi  hältsch du’s auswärts  immer recht lang aus.
 ERNST: My houmle ischt trotzdem mei Caschtele. (trinkt, schaltet TV ein)

HILDEGARD: Ernst, früher hasch doch au Örtla gfonda, wo da mit mir hosch na wella .
ERNST: Ja früher war des halt no was anderes.

HILDEGARD: I han scho vrstanda.  Also wird heut wieder in d’Glotzkitsch  gugget. (Pause) wo hant  dia  eigentlich früher nagugget, wos den Apparat no net geba hat ?

ERNST: Was frogsch do mi ?

HILDEGARD: (blättert im Fernsehjournal und blickt gemeinsam  mit Ernst auf  das imaginäre  Fernsehgerät) Alles was do drenna  kommt,  isch sowieso vrloga. Zum Beispiel der gestrige Wetterbericht: Do hant se für heut a Hoch ankündigt, drbei hats dr ganze  Tag a Sauwetter g’hett.

ERNST: Vielleicht liegts ja am Fernseher ! Der isch au nemme dr Jüngschte !

HILDEGARD: Soll des jetzt en Witz sei oder wia ?

ERNST: Du Hildegard, do sind bloß no zwoi Fläschla Bier do. Warsch du heut net beim Einkaufa ?
HILDEGARD: Dia werret  scho roicha für den  Obend.  Und übrigens: Des war  heut  a  Wetter, do  jagt ma  koin Hund vor d‘Hütte.

ERNST: I han  ja au net  gsagt,  du sollsch unsern  Bello zum Einkaufa mitnehma !

HILDEGARD: Wenns für da Hond nix isch, ischs au für mi nix ! Was gugget mir denn heut a ?

ERNST:  Was kommt  denn  alles ?  Fußball !  Des wär  doch was ! (schaltet um)

HILDEGARD: Do streitet sich wieder 22  Männer  um  den oina Ball. Gell, du magsch da Fußball scho meh als mi !

ERNST:  Des  scho,  aber  drfür  mag  i  di  wieder  mehr  als Leichtathletik, Dressurreiten und Turniertanza.

HILDEGARD: Tanza ? Do kommt  doch heut  so en Tanzfilm, des wär doch was ?
ERNST: Do kriag i jo scho vom zuagugga Muskelkater.

HILDEGARD:  Ernst,  i  wär  drfür,  dass  mir  abstimmet,  was mir aggugga sollet.

ERNST: Des dät i an deiner Stell net! Noch gohts dir so wia dr Kellere von gegenüber.
HILDEGARD: Wieso wie gohts der ?

ERNST: Des Ehepaar Keller stimmt au immer ab: Aber bei Stimmengleichheit entscheidet immer dr Karle !

HILDEGARD: Des nennt  ma dann  Gleichberechtigung! Do könntesch auf dr Sau naus: Jeden Abend sitzet mir do und  gugget in d‘Röhre. Könntet  mir net  mol was anders macha ?

ERNST: Ja natürlich. Mir könntet Plätz tauscha.  Du sitzsch an mein Platz und i an dein.

HILDEGARD: Manchmol könnt ma grad moina, du dädesch dein Verstand im Gschäft lassa !

ERNST:  Jetzt  aber  net  persönlich  werda,  Hildegard,  gell ! (schaltet um)

HILDEGARD: Des kasch doch drinna lassa. Des isch a wunderbare  bjuti-Sendung.

ERNST:  Schönheitswahn,  wo  ma  nagugget ! Meines  Wissens nach isch a Bjutifarm a Haus, wo ma de alte Weiber des Fell über  d’Ohra ziaht, biss d’Schlattohra am Hals hangat ond ma se als Hexa fliega lau ka.

 

Es folgen noch 13  Einsätze bis zum Ende.